Wie Tesla die Branche aufmischt

Beweglichkeit beginnt im Kopf – wie Tesla die Branche aufmischt!

Frankfurt (em/sh) Die Automobilindustrie kommt derzeit kaum aus den negativen Schlagzeilen. Das letzte Jahr war das Jahr der spektakulären Rückrufaktionen. Zudem wurde alles überschattet von dem noch längst nicht ad acta gelegten Abgasskandal. Darüber hinaus ringen die Hersteller und die Politik mit dem Thema Elektromobilität und diskutieren darüber, weshalb die Nachfrage nicht so richtig in Gang kommen will.

 

Gerade wurde vom Bundestag ein Gesetz über die Unterstützung von Käufen von Elektrofahrzeugen und Plugin-Hybridautos beschlossen, um hier Abhilfe zu schaffen. Geplant ist eine Kaufprämie von 4.000 Euro für Elektroautos und eine Prämie von 3.000 Euro für Hybride, jeweils zu gleichen Teilen finanziert von Industrie und Bund. Mit Sicherheit wird das Bewegung in den Markt bringen. Und doch darf man sich fragen: Gibt es auch Meldungen über neue Impulse aus der Branche selbst, jenseits von Fördertöpfen? Oder kreative Ideen, die nicht in Scheinlösungen münden, wie eine Software zu entwickeln, die Abgaswerte manipuliert?

Kreative Impulse von einem Newcomer

Ausgerechnet in der Elektromobilität, die hierzulande so schwächelt, dass ihr die Politik beispringt, begibt sich ein Newcomer der Branche auf die Überholspur. Wir alle wissen, wer gemeint ist: Tesla. Als „Apple der Automobilbranche“ zeigt Tesla gerade den etablierten Autobauern, dass man auch neue Wege einschlagen kann.

Mit einer Vision, mit Mut und unglaublicher Kreativität. Denn hier handelt es sich nicht nur um ein innovatives Produkt und eine neue Technologie, auch das Geschäftsmodell ist spektakulär und singulär. Die Kalifornier orientieren sich direkt an den Kundenbedürfnissen und sind ihrer Zeit schon so weit voraus, dass sie bereits jetzt mehr Fahrzeuge verkauft haben, als sie vermutlich in den nächsten zwei bis drei Jahren bauen können.

Sie haben es geschafft, das Image des Elektroautos zu revolutionieren. Cool und begehrlich – ein Elektroauto? Deutsche Verbraucher denken angesichts von E-Tankstellen-Knappheit eher an einen Zweitwagen für die Kurzstrecke. Wie hat es der Newcomer geschafft, seine Mitbewerber so schnell hinter sich zu lassen?

Umdenken auf allen Ebenen

So weiterzumachen, wie man es immer schon gemacht hat, führt direkt in die Sackgasse. Seit einigen Jahren lege ich bei meiner Tätigkeit als Interimsmanagerin, Trainerin und Coach im Einkauf der Automobilindustrie größten Wert auf die Förderung der Innovationsbereitschaft auf allen Ebenen. Interdisziplinäre Teams, das Zusammenarbeiten von Einkauf und Verkauf, die frühzeitige Verknüpfung von Prozessen in unterschiedlichen Abteilungen sowie die enge Vernetzung ihrer Führungskräfte gehören zu meinen Strategien.

Ein Klima der Kreativität zu schaffen, ist notwendig, um einen Nährboden für Visionen und neue Ideen zu erhalten. Weitsicht, Kompetenz, Verantwortungsbewusstsein – das alles lässt sich fördern. Diese Werte können und müssen meiner Auffassung nach gelebt und vor allem von Führungskräften vorgelebt werden. Wenn alle Bereiche im Unternehmen Teil der Qualität, der Innovation und der Vermarktung des entstehenden Produktes sind, dann lassen sich Visionen mutiger formulieren – und was genauso wichtig ist, konsequent realisieren.

Gerade was den Einkauf betrifft, wird es Zeit für ein grundlegendes Umdenken. Den Einkäufer als aktiven Unternehmensgestalter statt als Preisdrücker anzusehen, ist hierbei entscheidend. Darüber hinaus ist es zu empfehlen, dass Einkäufer ein partnerschaftliches Verhältnis zu ihren Lieferanten pflegen. Denn motivierte, in ihrer Innovationsbereitschaft bestärkte Zulieferer tragen zum Erfolg eines Produktes bei. Diese Innovationsbereitschaft wird durch eine partnerschaftliche Zusammenarbeit erhöht und kann das Zünglein an der Waage sein, wenn es darum geht, im Wettbewerb vorne zu liegen.

Umdenken am Beispiel des Einkaufs

Das Umdenken in den Einkaufabteilungen hat bereits stattgefunden. Die Vision des Einkäufers der Zukunft setzt sich langsam durch. Dieser wird ein Manager seiner Warengruppe sein, viel Eigenverantwortung übernehmen, die interkulturelle Kommunikation beherrschen und somit ein Allrounder in einem modernen Industriebetrieb sein. Was die Führung angeht, wird es „crossfunktionale“ Teams mit fachlichen statt disziplinarischen Vorgesetzten geben.

Einkäufer werden reisen und ihr Büro immer dabeihaben. Sie werden in interdisziplinären Teams gemeinsam mit Entwicklern, Technikern und Vertrieblern projektbezogen arbeiten. Alle werden dafür sorgen, dass gemeinsame Lösungen erarbeitet werden. Den Unternehmen wird dieser Wandel mehr Kreativität, mehr Ideen und mehr Zukunft sichern, vorausgesetzt, die Führung wünscht diesen Wandel und lebt ihn vor.

Es ist schon ein Allgemeinplatz, dass jede Krise als Chance genutzt werden kann. Auf die verfahrene Situation in der Automobilindustrie trifft es auf jeden Fall zu. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, von Tesla zu lernen, eigene Visionen zu entwickeln und die Kreativität, die in den Unternehmen steckt, freizusetzen.