Global

Einmal um die ganze Welt

Meine Reise durch die Einkaufsabteilungen der Automobilindustrie führte mich innerhalb eines Jahres rund um den Globus. China, Mexiko, Polen, USA, Deutschland, Österreich – von allen Ländern werde ich mit Freude berichten.

 

Ich stelle fest: Das Bewusstsein nimmt überall zu, dass Preisdrücken als alleiniges Allheilmittel ausgedient hat. Spektakuläre Rückrufaktionen und nicht zuletzt der Abgas-Skandal bewegen die Einkäufer weltweit. Ein Strukturwandel kündigt sich an. Als Interimsmanagerin, Trainerin und Coach werde ich täglich damit konfrontiert und erarbeite Konzepte für zukunftsfähige Lösungen.

„Let ́s go east!“, d. h. ich beginne mit Polen: Die Fahrt im Shuttlebus vom Dresdner Flughafen über die polnische Grenze ins Inland gleicht einer Reise in die Vergangenheit. Unser polnischer Busfahrer fuhr recht sportlich über die abenteuerlichen Straßen durch Gegenden mit überwiegend grauen Häusern. Der Geruch von Braunkohle lag in der Luft. Als wir schließlich die Auffahrt zu unserem Hotel erreichen, komme ich jedoch aus dem Staunen nicht mehr heraus. Schloss Wernersdorf (so der deutsche Name) ist ein herrschaftliches Schloss, das zum komfortablen Hotel umgebaut wurde. Im schönsten Seminarraum, in dem ich je ein Training abgehalten habe – und ich habe eine Menge Konferenzräume auf der ganzen Welt von innen gesehen! –, begann die Arbeit. Auf dem Programm standen Trainings für Werkseinkäufer. Schwerpunkte waren die interkulturelle Zusammenarbeit insbesondere mit Zulieferunternehmen sowie die strukturellen Verbesserungen der Arbeitsprozesse. Was mich in Polen begeistert hat, ist die sehr hohe Arbeitsmoral, ein unglaublicher Teamgeist und der Zusammenhalt in der Gruppe. Hier stärkt man sich gegenseitig. Die Rahmenbedingungen sind hart: klassischer Werkseinkauf, strenge Führung, alle Einkäufer sitzen auf engstem Raum. Alle polnischen Teilnehmer sprechen ein perfektes Englisch, viele auch sehr gut Deutsch. Es herrscht Frauenpower im polnischen Einkauf! Ich bin hier fast ausschließlich wissbegierigen, studierten und „toughen“ Einkäuferinnen begegnet. Als Trainerin fiel mir darüber hinaus – vor allem im Vergleich zu westlichen Industrieländern – die vorbildliche Trennung von Job und Privatleben auf: Von 9 bis 17 Uhr wird (hart) gearbeitet, danach steht die Familie im Mittelpunkt. Punkt. Davon könnten sich andere Länder eine Scheibe abschneiden. Weniger Burn-outs, Fluktuation und Fachkräftemangel könnte man so erreichen. Ich bin davon überzeugt, Einkäufer der einzelnen Länder können alle voneinander lernen. Von Polen die Solidarität, die Arbeitsmoral und Anregungen zu einer besseren Work-Life-Balance. Das ist, wie ich finde, nicht gerade wenig.